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Website Thomas Abel

Die Lutwinuskapelle

Die Lutwinuskapelle bei Mettlach befindet sich auf einem Felsvorsprung flussabwärts auf der linken Saarseite. Die Felsplatte liegt im Wald zwischen den Ortsteilen Keuchingen und Saarhölzbach in der Nähe der Mündung des Lutwinusbachs in die Saar. Streng genommen gehört die Kapelle trotz ihrer Lage an der Saar zum Mettlacher Ortsteil Weiten.

 

Um die Errichtung der Kapelle rankt sich eine Legende:

Abbas Remigius von Mettlach erzählt in den Klosterannalen von 994, dass im dortigen Wald vor vielen Jahren ein Jäger aus »edelem Frankenblut« zur Jagd unterwegs war. Ermüdet vom Jagdgeschehen legte er sich auf einer Felsplatte nieder um etwas auszuruhen und schlief ein. Die Mittagssonne brannte mit sengender Glut auf die Felsenplatte. Plötzlich soll ein Adler mit weit ausgespannten Schwingen über dem Schlafenden in der Luft geschwebt sein und ihm so Schatten vor der sengenden Sonne gespendet haben. 

Als der Waidmann erwachte, erfuhr er von seinen Dienern und Jagdgesellen die wunderbare Begebenheit. Er sah darin einen Fingerzeig des Himmels, an dieser Talstätte das Kloster zu erbauen. Schon lange trug er den Gedanken an eine Klostergründung mit sich herum. Nun endlich hatte der den Platz gefunden.

Jener Waidmann war niemand anders Herzog Lutwinus, der hochgeschätzte Ratgeber und Vertraute des Frankenkönigs Childerichs III., gleichzeitig auch der Neffe des Trierer Bischofs Basinius.

In der Klostergeschichte des ehemaligen Klosters Mettlach erfährt man, dass die Mitbrüder des Heiligen Lutwinus auf eben jener Felsplatte zu Ehren des Abteigründers eine Kapelle mit dem Bildnis des hochverehrten Vaters und Ordensheiligen errichteten. Im Laufe der Jahre und in den Wirren der versch. Kriege wurde die Kapelle wiederholt zerstört und wieder aufgebaut.

Zuletzt wurde sie im Jahr 1892 auf den Grundmauern der ehemaligen Kapelle wieder errichtet. Sie wurde im neoromanischen Stil nach Plänen von Karl August Cohausen erbaut. Die Kapelle war eine Stiftung des Mettlacher Industriellen Eugen von Boch und seiner Ehefrau Oktavie anlässlich der Goldenen Hochzeit des Paares. Eine Gedenktafel an der Außenwand der Kapelle erinnert an diesen Neubau.

 

Beschreibung

Äußeres

Der Neubau wurde mit dem in der Region vorkommenden roten Sandstein ausgeführt. Die Außenmaße der Kapelle sind 5,40 m in der Länge bei einer Breite von 4,40 m. Das Dach ist mit roten Biberschwanziegeln gedeckt. Die Außenmauern mit vier Rundbogenfenstern sind in Sichtmauerwerk ausgeführt. Auf dem Dach befindet sich ein offen ausgeführter Glockenstuhl mit einer sechseckigen Spitze. In ihm hängt eine kleine Glocke.

An der Rückseite befindet sich eine halbrunde Apsis, in deren Innern sich der Altarrraum befindet.

Die Apsis hat einen Radius von 1,50 m und besitzt ein steinernes Dach. Unter dem Ortgang und der Traufe sind die Außenwände mit einem Rundbogenfries verziert.

Das Eingangsportal in Form eines Satteldaches in Giebelstellung ist über 6 Stufen erreichbar. Die Dachkonstruktion ruht nach vorn auf 2 viereckigen Säulen und zur Kapelle hin auf 2 Pilastern. In der Dachkonstruktion ist an der Frontseite unter einem Rundbogen ein ca. 60 bis 70 cm hohes Kreuz eingearbeitet. Durch eine 2-flügelige Eingangstür aus Schmiedeeisen unter einem Rundbogen gelangt man ins Innere. 

Inneres

Der Innenraum der Lutwinuskapelle misst in der Länge 3,90 m und ist 3,30 m breit. An der höchsten Stelle ist der Innenraum 3,75 m hoch. Der Innenraum, sowohl Boden als auch Wände, sind mit Keramikplatten der Firma Villeroy & Boch ausgekleidet. Die Holzdecke ist mit Ornamenten bemalt.

Auf jeder Seite des Mittelganges stehen 4 Kirchenbänke. Der halbrundförmige Chorbogen mit einer lichten Breite von 1,50 m ist mit Sichtmauerwerk in Sandstein ausgeführt und in der Mitte 2,90 m hoch.

Am den Stirnwänden rechts und links des Chorraumes und an den beiden Seitenwänden befinden sich auf Konsolen Heiligenfiguren:

  • Der Hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind
  • Die Hl. Maria Magdalena vor dem Kreuz
  • Der Hl. Lutwinus im Bischofsornat mit dem Adler (siehe die Legende oben über die Entstehung) und dem »Alten Turm«(stehend für die Benediktinerabtei Mettlach)
  • Eine Muttergottesfigur mit dem Jesuskind 

Über 2 Stufen gelangt man vom Kapellenraum in die halbrunde Apsis des Chorraumes. Diese wird durch 2 in der Kuppel befindliche Fenster belichtet. Der Altarraum ist vollständig in Blau gefließt. Im unteren Wandbereich der Apsis sind die Fliesen in einem dunklen Blau gehalten mit einem goldfarbenen, diagonal verlaufenden Rautenmuster.

Über dem dunkelblau gehaltenen Wandspiegel ist ein goldfarbenes Fries mit Kreisornamenten angeodnet. In die Kuppel der Apsis ist ein hellblaues Mosaik verarbeitet. Darauf befinden sich goldene Sterne mit einem die Sonnenstrahlen symbolisierenden Ornament an der Spitze. 

Mittelpunkt der Apsis ist der Altar-Stipes-Block (Stipes →lat. dicker Pfahl, Holzblock; ist der Unterbau eines christlichen Altars, auf dem die Altarplatte [Mensa] aufliegt). Der Unterbau der Mensa besteht vorne aus 2 runden Säulen und hinten von einem massiven Block getragen. Auf dem Block befindet sich eine Majestas-Domini-Darstellung (Die Majestas Domini →lat. für ›Herrlichkeit des Herrn‹; ist ein besonders im Mittelalter beliebtes Bildschema, bei dem Jesus Christus auf seinem Thron, oft auch in einer Mandorla und umgeben von den vier Symbolen der Evangelisten dargestellt wird). 

U.a. sind auf der in Mosaiktechnik unter angedeuteten Rundbogen-Arkaden die Darstellungen des heiligen Dominikus (mit Lilie, Buch und Stern), des heiligen Augustinus von Hippo (mit Bischofsstab, Pfeil und Herz), des heiligen Thomas von Aquin (mit Buch und Strahlensonne) sowie des heiligen Franziskus von Assisi (mit Buch) angebracht.

Der Fußboden vor den Altar ist in goldenen Farben gehalten und zeigt 2 Löwendarstellungen. Der sogenannte ›Löwe Judas‹ ist ein Symbol für Jesus Christus. Jesus soll dem Stamm Juda entstammt sein. 

Im Außenbereich vor der Kapelle befindet ich ein Steinkreuz und hinter der Kapelle eine Lutwinusgedenkstätte mit Spolien (von lateinisch spolium: → »Beute, Raub, dem Feind Abgenommenes«; sind Bauteile und andere Überreste wie Teile von Reliefs oder Skulpturender Vorgängerkapellen.)

 

Lutwinusverehrung in Mettlach

Der Heilige. Lutwinus (auch Lutwin, Liutwin, Ludwin oder Leodewin,; * um 655, † 717 in Reims) war der Klostergründer der Benediktinerabtei Abtei Sankt Peter und Maria in Mettlach und Bischof in Trier. Kurze Zeit nach seiner Ernennung in Trier übernahm er auch die Bistümer Reims und Laon.  Lutwinus wurde dadurch zum wichtigsten kirchlichen Würdenträger im fränkischen Reich.

Lutwinus war ein fränkischer Adliger aus dem Geschlecht der Widonen. Sein Onkel Basin war bis 705 Bischof von Trier. Lutwinus hatte zunächst nicht die Absicht, eine kirchliche Laufbahn einzuschlagen. Er heiratete standesgemäß, vermutlich eine Frau aus der Familie der Robertiner. Das Paar hatte zwei Söhne (Milo und Wido) sowie höchstwahrscheinlich eine Tochter mit dem Namen Rotrude.

Über seine vermutliche Tochter Rotrude ist Liutwin Schwiegervater Karl Martells und Urgroßvater Karls des Großen.

Lutwinus starb 717 in Reims und wurde dort beigesetzt. Lutwinus‘  Nachfolger als Bischof von Trier und Reims war sein Sohn Milo.

Bischof Milo ließ die sterblichen Überreste seines Vaters nach Trier bringen, um ihn in der Heimat beisetzen zu lassen. Allerdings war es Überlieferungen nach nicht möglich, Lutwinus in Trier zu bestatten. Also fiel der Beschluss, der Tote solle sich seinen Begräbnisplatz »selbst suchen«. Der Legende nach wurde der Sarg wurde auf ein Schiff gebracht. Das Schiff mit dem Sarg darauf wurde losgemacht und bewegte sich von selbst zunächst die Mosel, dann die Saar hinauf. Schließlich landete das Schiff in Mettlach an, wo die Kirchenglocken zu läuten begannen. Lutwinus wurde sodann in der Marienkirche des Klosters Mettlach beigesetzt.

Bereits zu Lebzeiten soll Lutwinus Wunder bewirkt haben. Berichte von Wundern am Grab Lutwinus machten Mettlach zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort.

Um 990 wurde die Marienkirche durch einen achteckigen Neubau ersetzt, welcher der Aachener Pfalzkapelle Karls des Großen nachempfunden ist. Diese Kirche ist heute als der »Alte Turm« in Mettlach bekannt und gilt sowohl als ältestes Sakralgebäude und gleichzeitig als das ältestes erhaltene Steinbauwerk im Saarland.

1247 wurden die Reliquien Liutwins in eine neuerbaute Lutwinuskapelle überführt. Gute 200 Jahre später wurden die Reliquien erneut umgebettet, diesmal in eine neue Kapelle, die mit der Abteikirche verbunden war.

Die Klostergebäude kamen nach der Französischen Revolution in den Besitz der Industriellenfamilie Boch. Diese ließ die baufällige Ludwinuskapelle bei der Abtei abreißen und auf eigene Kosten die Lutwinuskirche in Mettlach, errichten. In der jetzigen Pfarrkirche befinden sich die Reliquien des Heiligen Lutwinus noch heute.

Der ursprüngliche Gedenktag des Hl. Lutwinus war der 29. September. Dieser Tag ist jedoch auch der Gedenktag des Erzengels Michael. So wurde Lutwinus Gedenktag im 18. Jahrhundert auf den 28. September vorgezogen. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde schließlich der 23. September als Gedenktag des Hl. Lutwinus festgelegt, der zugleich für Lutwinus‘ Onkel Basin gilt.

Alljährlich findet in Mettlach in der Woche vor Pfingsten die Lutwinuswallfahrt statt. Die Novene (von lat. noveni  → neun) ist eine vorwiegend in der katholischen Kirche übliche Gebetsform, bei der bestimmte Gebete an neun aufeinanderfolgenden Tagen verrichtet werden. Der Ursprung liegt wohl in der Pfingstnovene, dem neuntägigen Gebet um den Heiligen Geist, wie es die Apostel und die Jünger Jesu mit Maria nach der Himmelfahrt Jesu im Abendmahlssaal praktizierten.

Seit dem Jahr 2003 findet die Mettlacher Wallfahrt regelmäßig jedes Jahr statt. Höhepunkt der Pfingstnovene ist die Lutwinus-Prozession am Sonntag nach Christi Himmelfahrt. Dabei werden Reliquien des Heiligen in einer feierlichen Prozession durch den Ort getragen werden.

 

Quellen: lutwinuswerk-mettlach.de; de.wikipedia.org; tourist-info.mettlach.de; heiligenlexikon.de